Die Zahl an Kfz-Zulassungen steigt – Gesundheitsrisiko Fahrzeuglärm

In den letzten Jahren ist die Zahl der Kfz-Zulassungen deutlich gestiegen. So wurden im Januar 2014 ca. 7,2% mehr Neuzulassungen verzeichnet als im Vorjahresmonat. Darüber sollte sich vor allem die Automobilindustrie gehörig freuen, da durch den Anstieg von Kfz-Zulassungen auch auf höhere Verkaufszahlen der Kfz-Hersteller zu schließen ist. Als großer Gewinner in Deutschland zählt hierbei der spanische Fabrikant Seat. So brachte die VW-Tochter alleine im Monat Februar 2014, 6133 Neuzulassungen (rund 19% gegenüber dem Vorjahresmonat) auf das Papier, während sich die deutschen Hersteller Ford über ein Plus von 17,8%, Audi über einen Zuwachs von 14,9%, Opel über einen Anstieg von 13,8% und Porsche über den positiven Wert von 13,6% freuen konnten. Auch Kfz-Dienstleister wie Kroschke profitieren und konnten einen starken Zuwachs an Kfz-Zulassungen in dieser Zeit verzeichnen.

Der Anstieg an Kfz-Zulassungen bietet auch Schattenseiten

Was die Wirtschaft und Industrie auf der einen Seite freut, ist jedoch für den einen oder anderen eine Belastung. So hat jede Kfz-Zulassung einen Anstieg der fahrbereiten Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen zur Folge. Damit steigt nicht nur die Umweltverschmutzung in Form von verunreinigter Luft, sondern auch die Lärmbelastung jedes einzelnen. Vor allem in der heutigen Zeit, in welcher man ständig äußeren Einflüssen ausgesetzt ist, kann dies zur Belastung werden und sogar bis hin zu Erkrankungen führen. Da jede Kfz-Zulassung neues Geld in die Kassen der Automobilindustrie und in die des Staates spült, ist eine Regulierung an dieser Stelle und eine damit verbundene Eindämmung an neuen Kfz-Zulassungen unwahrscheinlich.

Welche Risiken birgt die Lärmbelästigung durch mehr Kfz-Zulassungen?

Gesundheitsrisiko Fahrzeuglärm

Immer mehr Kfz-Zulassungen verursachen höhere Lärmbelastung

Durch jede Kfz-Zulassung steigt der Lärm auf Deutschlands Straßen, welchem wir tagtäglich ausgesetzt sind. Die wenigsten Menschen wissen allerdings, dass diese ständige Beschallung auch gesundheitliche Risiken zur Folge haben kann. Die europäische Umweltagentur hat herausgefunden, dass Fahrzeuglärm zu körperlicher Erschöpfung und Herzkreislauferkrankungen führen kann. Außerdem ist ständiger Lärm eine häufig Ursache für Hörschäden wie Tinnitus oder Schwerhörigkeit, aber auch andere Krankheiten wie Schlafstörungen werden durch eine ständige Lärmbelastung verursacht. Somit birgt jede Kfz-Zulassung ein zusätzliches Risiko für die Gesundheit jedes einzelnen. Vor allem bei Kindern sollten diese Risiken nicht unterschätzt und darauf geachtet werden, dass sie in einer nicht zu stark lärmbelasteten Umgebung aufwachsen, um nicht schon in frühen Jahren an gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu leiden. Aus diesem Grund hat das hessische Landratsamt für Umwelt und Geologie einen Leitfaden zur Lärmminderung an Schulen erstellt. Dieser Leitfaden soll Hilfestellung dabei geben den Lärmpegel an Schulen und insbesondere in Klassenzimmern einzudämmen, um somit für eine angenehmerer und stressfreiere Umgebung zu sorgen.

 

Weitere Krankheitsbilder durch Lärmbelästigung:

  • Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit
  • Hörschäden und Hörverlust
  • Ursache für Herz- und Kreislauferkrankungen

 

Wie äußern sich die einzelnen Krankheitsbilder im Alltag?

 

Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit:

Die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit durch Lärm ist wohl eine der häufigsten Auswirkungen die Lärmbelastung haben kann. Wer kennt es nicht? Man muss für eine wichtige Klausur lernen oder versucht konzentriert an einem wichtigen Thema zu arbeiten und um einen herum herrscht ein ständig hoher Geräuschpegel. Häufig ist hierfür Fahrzeuglärm verantwortlich. Durch die ständige Geräuschkulisse sinkt die Konzentration und es kommt zu Fehlern bei der Arbeit. So beurteilt mehr als die Hälfte aller Beschäftigten die Geräuschbelastung in ihrem Büro als zu hoch. Konkret spiegelt sich die Belastung dann in erster Linie in einer steigenden Fehlerquoten, einem erhöhten Zeitbedarf und einem großen Erholungsbedürfnisse wieder. Um dem entgegen zu wirken erfordert es eine Kombination aus gutem Raumkonzepten, Lärmschutztechnik und der richtigen Organisation. Ist dies gegeben, kann die Geräuschkulisse möglichst gering gehalten werden, was sich positiv auf die Leistungsfähigkeit und Konzentration der Betroffenen auswirkt.

Hörschäden und Hörverlust:

Lärmbelästigung durch Straßenverkehr

Jede Kfz-Zulassung erhöht die Lärmbelastung

Laute Geräusche können, je nach Dauer und Häufigkeit, zu bleibenden Hörschäden führen. Wenn der Geräuschpegel sehr hoch ist kann es schon nach wenigen Minuten zu einer irreparablen Beschädigung des Innenohrs führen. Die Folge davon kann beispielsweise Schwerhörigkeit oder sogar Taubheit sein. Verursacht wird diese wenn die Haarzellen im Ohr, welche für die Übertragung von Schallwellen verantwortlich sind, beschädigt werden. Diese Beschädigung kann bereits bei einer Belastung von 120-140 dB(A) erreicht werden (zum Vergleich: Die Geräuschbelastung eines startenden Düsenjet in 100m Entfernung beträgt 120dB(A)). Ähnliches Schädigungspotenzial bieten zudem Diskotheken oder der Gebrauch von Kopfhörern mit rund 110 dB(A). Aber auch niedrige Lärmpegel mit rund 85 dB(A) können bei dauerhafter Einwirkung bleibende Schäden verursachen. Um eine Beeinträchtigung des Hörvermögens zu vermeiden, sollte jeder einzelne versuchen starken Geräuschquellen aus dem Weg zu gehen, um somit sein Gehör zu schonen.

Ursache für Herz- und Kreislauferkrankungen:

Bereits bei einem Lärmpegel, welcher weit unter der Beeinträchtigung der Kommunikation liegt, kann es zu bleibenden Schäden kommen. So kann die sogenannte extraaurale Lärmeinwirkung Schlafstörungen, einen erhöhten Blutdruck, sowie eine vermehrte Ausschüttung an Stresshormonen zur Folge haben, wodurch das Risiko an Herz- und Kreislauferkrankungen zu erkranken deutlich steigt. Die WHO gibt daher die Empfehlung einen dauerhaften Geräuschpegel von rund 55dB(A) nicht zu übersteigen. Betrachtet man den durchschnittlichen Pegel des Verkehrslärms liegt dieser bei rund 65dB(A).

Um die andauernde Lärmbelastung möglichst gering zu halten, sollten vor allem die eigenen vier Wände einen Rückzugsort bieten. Gerade an dicht befahrenen Straßen ist es daher wichtig, dass Eigenheim ausreichend zu isolieren und somit einer ständigen Geräuschkulisse zu entgehen. Gerade jetzt wo ein starker Anstieg an Kfz-Zulassungen zu verzeichnen ist, ist dies besonders wichtig. Weiterführende Informationen zum Thema „Gesundes Bauen“ finden Sie im Beitrag über das Massivhaus.

 

Lärmbelastung eindämmen ohne der Regulierung der Kfz-Zulassungen?

Dies kann durch ein Umdenken der Automobilindustrie geschehen. Ein Schritt hierbei wäre: Weg von den herkömmlichen, lauten Verbrennungsmotoren und hin zu leiseren und umweltfreundlicheren Elektro- oder Hybridmotoren. Aber auch die Regierung kann durch Gesetze einer zunehmenden Lärmbelastung entgegenwirken. Eine Möglichkeit hierbei wäre die Erhöhung der Kraftfahrzeugsteuer und höhere Gebühren bei der Zulassungsbehörde. Dies könnte zu einer Eindämmung an Kfz-Zulassungen führen.

Zudem hat erst im März 2014 das Parlament strenge Gesetze zur Regulierung von Lärmschutzregeln verabschiedet. Diese besagen, dass die Automobilhersteller zusätzliche Informationen über den Geräuschpegel von Fahrzeugen preisgeben müssen und elektrische Fahrzeuge mit einem akustischen Warnsystem ausgestattet werden müssen, um den Schutz von Fußgängern zu erhöhen. Ebenso wurden neue Geräuschgrenzwerte für die Kfz-Zulassung festgelegt, welche etappenweise am 1.Juli 2016, 2020 und 2024 in Kraft treten. Durch diese Neuregelung soll erreicht werden, dass jede Kfz-Zulassung eine geringer Lärmbelästigung und somit ein kleineres Gesundheitsrisiko bietet.

Doch nicht nur bei der Kfz-Zulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor haben die Abgeordneten Neuregelungen getroffen, sondern auch was Elektro- und Hybridfahrzeuge betrifft. So muss jede neue Kfz-Zulassung ab dem 1. Juli 2019 mit einem akkustischem Warnsystem ausgestattet sein, welches dem Schutz von Fahrradfahrern und Fußgängern dient.

 

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